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"Und nun alle zusammen: Yeah Yeah Yeah!"
17.12.2007
Das Studium der Publizistik-und Kommunikationswissenschaft ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Ständig wird von menschlicher Kommunikation geredet und im Endeffekt kennt man nicht einmal den Nachbarn, der im Audimax neben einem sitzt. Deswegen dachte ich, "lerne doch eine Sprache, da geht es sicher kommunikativer zu."

Und tja, nach einigen Wochen in einem überfüllten Anfängerkurs fängt man bereits an, sich die Teilnehmer zu merken. Und falls es wirklich ganz gut läuft, grüßt man sich eventuell mit einem leichten Kopfnicken auch außerhalb des Institutes. Nun gut, was hat das nun doch alles mit Jonas Goldbaum zu tun? Beim Betrachten der bandeigenen Homepage greif ich mir auf den Kopf und erkenne ihn ganz genau wieder, den Typen, der mich immer mit einem besagten Kopfnicken gegrüßt hat . Und nun sehe ich ihn hinter dem Schlagzeug einer der bemerkenswertesten Bands aus Österreich wieder. Der Name "Jonas Goldbaum" ist auf keine real existierende Person zurückzuführen. Die kleine Nichte des Sängers Arne, die zum ersten Mal im Leben mit leuchtenden Augen einen Weihnachtsbaum sah, taufte diesen einfach in

„Goldbaum" um und ein Name für die 2002 gegründete Band war geboren.


Die vierköpfige Band schafft es, Songs in Deutsch zu schreiben, die sich rund um allgegenwärtige Themen wie Liebe und Freude am Leben drehen.

Arne: „Was immer unsere Songs auch bedeuten oder darstellen mögen, sie werden die Menschen nicht ändern, die Bösen nicht besser machen, die Gewalttätigen nicht sanfter und die Gierigen nicht genügsamer werden lassen. Dafür mag der eine oder andere sie mitunter geil finden. Das wäre schön.“


Bei dem zwingenden Pop-Appeal wundert man sich doch, warum dass der größte Radiosender Österreichs doch immer irgendwelche komischen Castings im grellen Licht der Öffentlichkeit veranstaltet, während draussen in der musikalischen Landschaft solche Schätze im Dunklen diversester Clubs wächst. Die Zeit für die Ernte der mühsam verdienten Früchte ist für Jonas Goldbaum wahrlich gekommen. Mit Unterstützung von FM4, einer Tour de Force und Support Gigs wie für Millencollin Sänger Nikola Sarcevic und den Weakerthans erspielen sich Jonas Goldbaum mit ihrem neuen Album "Unsere Welt braucht dich" einen positiven Ruf weit über die Grenzen Österreichs. 

Wer sich selbst ein Bild der Band machen und ganz laut zu deutschen Texten singen möchte, ohne dabei auch nur eine Spur peinlich zu wirken, den empfehle ich ihren Gig am 10. Dezember im Wiener Flex, wenn sie als Supportband für " The Weakerthans" einen Reigen voller Musik und Melodien eröffnen werden.

Ich selbst werde vorne stehen und bei Gelegenheit Torsten mit einem leichten Kopfnicken grüßen.

Jonas Goldbaum im Interview, 04. Dezember 2007

Ich habe mir euer neues Album angehört, klingt nach Erfolg, knackige Melodien, gute Texte, gute Produktion ohne dabei glatt zu wirken.. Wie ist es euch bei den Aufnahmen ergangen ?

Arne Lechner: Als wir ins Studio gingen, um „Unsere Welt braucht dich“ aufzunehmen, waren die Songs bereits zu 90% fertig, nur Detailfragen waren noch offen. Und der Sound natürlich. Dadurch lief alles ziemlich problemlos und schnell, auch weil wir alle schon Studioerfahrung hatten und wussten, was zu tun ist.

Die Texte klingen nach Aufarbeitung einer Beziehung, die anscheinend im Alltag verloren gegangen ist. Aber die Texte lassen eben auch Raum zur Spekulation. Lässt ihr bewußt Spielraum für die Hörer, oder zieht ihr eine Grenze zwischen "Aufarbeitung" und "Geschichtenerzählen"?

Arne: Meine Texte entstehen alle aus dem Bauch heraus. Bewußte „Grenze“ wird da keine gezogen. Ich schreibe über das, was mich gerade bewegt und beschäftigt. Abstraktionen passieren allerdings dann, wenn mir eine Geschichte zu plakativ und eindimensional erscheint, ein gewisser Spielraum für den Hörer ist also durchaus gewollt.

Wie habt ihr euch gefunden und was war für euch der entscheidende Moment, eine Band zu gründen?

Arne: Flo (Bass) und ich haben 2002 die Band gegründet, wir haben uns in einem Wiener Club, dem „Chelsea“ kennengelernt. Von Anfang an war ziemlich klar, dass es dabei nicht (nur) um Spaß ging, sondern dass wir das ganze einigermaßen professionell angehen wollten. Ein Jahr später sind Thorsten (Schlagzeug) und Martin (Gitarre) dazugekommen.

Mit einem guten Album im Gepäck bespielt ihr aber auch gerade so ziemlich jede Bühne im deutschsprachigem Raum. Hat für euch in Zeiten von Online Promotion (auf den unterschiedlichsten Portalen) ein Live Concert genauso eine hohe Bedeutung für das "Bekanntwerden"? Insbesondere für eine österreichische Band?

Arne: Jede Bühne im deutschsprachigen Raum stimmt so (noch) nicht. Wir haben in Deutschland gerademal etwa ein dutzend Konzerte gespielt, das wird natürlich mehr, aber bis wir alle Bühnen bespielt haben wird es noch ein Weilchen dauern...

Zur Frage: Das Livespielen ist das Um und Auf. Gerade in Zeiten, in denen Promotion, Werbung, Kritiken,... das Internet überschwemmen. Das Livekonzert ist nach wie vor die beste Möglichkeit, sich ein Bild von einer Band zu machen, weil es greifbar und „echt“ ist. Erst auf der Bühne erkennt man gewissermaßen die „Seele“ einer Band.

Der breiten Masse sind meist gecastete Bands oder Künstler bekannt. Was sagt ihr derzeit zum österreichischen Musikmarkt, welcher im Alternative-Bereich viele gute Bands und Künstler zu bieten hat. Fehlt es der österreichischen Musiklandschaft an starken Plattformen?

Arne: Definitiv. Bis Mitte der 1990er war es für Bands (ausgenommen vom sogenannten „Austropop“, der bereits in den 70ern entstanden war) geradezu unmöglich, überregionale Bekanntheit zu erlangen, es gab nichts. 1995 ging dann FM4 on air, bis heute das einzige österreichweite Alternativradio, dass auch heimische Acts spielt. Erst seit etwa sechs oder sieben Jahren haben österreichische Bands die Möglichkeit wirklich Bekanntheit zu erlangen, auch wegen GoTv, dem Independent Video Channel. Trotzdem ist das Interesse von heimischen Labels und Managements nach wie vor erschreckend gering.

Wie bringt ihr Studium, Familie und Friends unter einem Hut? Klingt für mich wahnsinnig anstrengend, Balance zwischen den Dingen zu halten? Ist die Musik bereits euer festes Standbein?

Arne: Noch geht’s. Die meisten von uns sind Studenten, und daher ziemlich flexibel, aber natürlich ist es anstrengend auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Leben können wir noch nicht von der Musik, das sollte sich aber bald ändern.

Wie ist das Feebdack zu euren Auftritten und Songs als "Vorboten" zu Künstlern wie Jimmy Eat World oder Nikola Sarcevic?

Arne: Überraschend gut. Zuerst waren wir ein wenig unsicher, ob sich das Publikum überhaupt für uns interessieren würde. Aber das hat es, bei allen Konzerten war das Feedback gut, bei einigen schon beinahe euphorisch.

Ein Erlebnis, wo ihr sagt, "...hoffentlich passiert das nie wieder"?

Arne: Das waren vor allem in unserer Anfangsphase zwischenmenschliche Reibereien, die es zum Glück mittlerweile nicht mehr gibt. Im Endeffekt waren diese Konflikte unumgänglich und haben sogar unserer Produktivität gut getan, trotzdem bin ich froh, dass wir das hinter uns haben.

Sieht ihr euers neues Album als Beginn eines ganz neuen Abschnittes oder Weiterführung eines konsequenten Weges?

Zweiteres. Geändert haben sich zwar die Umstände, nicht aber die Seele von Jonas Goldbaum.

Kollaborationen sind ja immer sehr beliebt. Mit wem würdet ihr gerne mal den Kelch der Inspiration teilen?

Arne: Da hat jeder von uns andere Helden. Ich z.B. warte bereits längerem auf Anrufe von Richard Ashcroft, Thom Yorke oder Eddie Vedder.

Danke für eure Zeit und may fortuna be with you :)

Danke, gleichfalls

Jonas Goldbaum sind:
Arne Lechner : Gesang, Gitarre
Florian Frankl: Bass
Thorsten Mahr: Schlagzeug
Martin Kaser: Gitarre


JONAS GOLDBAUM im Interview, 04. Dezember 2007  

17.12.2007, 11:49 von K. Schneck


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