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Interviews

Sugarplum Fairy. Rede und Antwort in Graz.
23.05.2005
Backstage im PPC in Graz. Nur noch wenige Stunden sollten uns zu diesem Zeitpunkt von einer äußerst gelungenen Live-Performance eines jungen schwedischen Quintetts trennen. Ein Gespräch mit Victor Norén (Sänger) und Kristian Gidlund (Schlagzeug) von Sugarplum Fairy.

Ihr seit nun schon seit Beginn des Monats unterwegs quer durch Europa. Was war eure letzte Station vor Graz? 

Kristian: Wir haben uns heute von München hierher zu euch auf den Weg gemacht. 

Euer Eindruck vom gestrigen Gig? 

Viktor: Großartiges Publikum, tolles Feedback – im Gesamten ein fantastischer Gig. 

Was verbindet ihr mit Graz/Österreich im Allgemeinen? Hattet ihr vor eurer heutigen Anreise bereits schon einmal die Möglichkeit eines Besuches? 

Viktor: Wir hatten bisher leider noch nie das Vergnügen und verbinden Graz deshalb eigentlich nur mit dem heutigen Tage (lacht). Jedoch nutzten wir die letzten Stunden bereits, um uns ein wenig in der Gegend umzusehen – und die ersten Impressionen waren von äußerst positiver Natur! Besonders beeindruckt hat uns der Schlossberg – wundervolle Aussicht. Auch die Cafés in der Umgebung machen einen sehr gemütlichen Eindruck. 

Wie würdet ihr nun euren typischen Tagesablauf auf Tour beschreiben? 

Viktor: Nun, man wacht vorwiegend des Mittags im Tourbus auf, nimmt ein wenig an Nahrung zu sich – meistens Sandwich oder Ähnliches – man sieht sich die Gegend ein wenig näher an, danach geht es ab zum Soundcheck, man hängt noch eine Weile im Tourbus rum, schließlich Dinner und der abendliche Gig. Im Grunde doch relativ unspannend. 

Das Leben auf Tour gilt im Allgemeinen ja als sehr stressig und chaotisch – habt ihr denn jemals irgendwelche persönlichen Gegenstände, wie beispielsweise einen eurer Lieblingssocken oder Ähnliches liegen gelassen? 

Viktor (lacht): Mir sind bisher wahrlich bei jedem einzelnen unserer Besuche in Japan mehrere einzelne Socken abhanden gekommen… Die habe ich vermutlich großteils im Hotel vergessen. Zurückgekehrt bin ich nach zwei Wochen auf Tour schließlich stets mit diesem Packet voller einzelner Socken.  

Ein geruchsstarkes Mitbringsel? 

Viktor: Natürlich nicht.. (lacht). Wenn ich mich recht entsinne, habe ich meine Socken auf Tour bisher stets selbst gewaschen... 

Was sind eurer Ansicht nach nun die negativen Seiten des plötzlichen Daseins als Pop-/Rockstar, nachdem euer Bekanntheitsgrad bereits die ersten Wochen nach Veröffentlichung eures Albums rasant anstieg? 

Viktor: Hm.. vielleicht die zu hoch gesteckten Erwartungen, die einem nun oftmals entgegengebracht werden. Dann gibt es unglücklicherweise auch einige, die meinen, bereits alles von einem zu wissen, nur weil man sich mal knappe zwei Minuten miteinander unterhalten hat - obwohl man zumeist noch nicht mal den Namen seines Gegenübers kennt… 

Kristian: Oder auch der Glaube mancher, alles mit einem anstellen zu können, nur weil man nun einen gewissen Bekanntheitsgrad genießt und somit ständig präsent ist in der Öffentlichkeit. Diese Distanzlosigkeit resultierend aus dieser medialen Omnipräsenz kann zeitweise äußerst unangenehm sein, es schränkt einen persönlich sehr stark ein. 

Seit ihr denn jemals in den Genuss von Gesangsstunden gekommen? 

Viktor: Nein, niemals. Ich denke, Gesangsunterricht reduziert sich mehrheitlich doch auf die klassischen Elemente, auf klassische Musik im Allgemeinen. Als Sänger einer Rock’n’Roll-Band zerstört man sich durch diese Spezialisierung jedoch eher die Signifikanz seiner Stimme - und das ist es wohl, was diese Art von Musik ausmacht. 

Obwohl ihr ja äußerlich doch eine geringfügige Ähnlichkeit mit den Wiener Sängerknaben aufzuweisen habt.. 

Viktor: Von denen haben wir bereits gehört... Aber nein – definitiv nicht (lacht). 

In den letzten Monaten hat sich vor allem in Mitteleuropa eine Art ‚Hype’ herauskristallisiert, was Rockbands aus dem hohen Norden betrifft – sei es nun Turbonegro, Mando Diao, sei es Moneybrother, The International Noise Conspiracy oder Sonstiges. Könnt ihr euch vorstellen, dass diese Art von Boom auch nächstes Jahr noch anhalten wird oder fürchtet ihr, dass dieser in den nächsten Monaten zunehmen schwinden könnte? 

Viktor: Schwer zu sagen, da ich die Veröffentlichungsstrategien dieser Bands nicht kenne – ich kann nur sagen, dass wir unseren Erfolgslauf auch nächstes Jahr fortsetzen werden (lacht). Auch kommt im Grunde bis auf Mando Diao und uns in letzter Zeit ja nicht viel Neues aus Schweden, dies wird in den nächsten Monaten wohl auch so bleiben. 

Kristian: Zugegebenermaßen beschäftigen wir uns aber auch nur sehr begrenzt mit heimischer Musik, aus diesem Grund wissen wir auch nicht wirklich viel über die Vorkommnisse in der schwedische Rockszene.. Diese scheint mir trotz vieler bekannter Acts wie eben den Hives dennoch nicht die produktivste zu sein.. 

Welche Musik begleitet euch im Moment im Tourbus? 

Viktor: Mehrheitlich wohl britischer Rock.. Das neue Oasis-Album hat es uns im Moment besonders angetan! 

Was hat es eigentlich mit dem Namen „Sugarplum Fairy“ auf sich? 

Viktor: „Sugarplum Fairy“ stellt einen Ausschnitt eines Beatles-Songs dar. Uns erschien diese Phrase vor einigen Jahren einfach als passender Bandname. 

Zu etwas ganz anderem: Nutzt ihr euren Status denn bereits um, ebenso wie zahlreiche Künstlerkollegen, einige gemeinnützige Organisationen wie beispielsweise Greenpeace zu unterstützen oder um auf sonstige Projekte aufmerksam zu machen? 

Viktor: Definitiv nicht, nein. Dazu würden uns im Moment auch die Möglichkeiten fehlen. Etablierte Künstler wie beispielsweise Bono, durch welchen diese Welle an Unterstützungen vor einigen Jahren ja in Gang gebracht wurde, besitzt zweifelsohne die Möglichkeiten und den Berühmtheitsgrad welcher unumstritten benötigt wird um auch wirklich etwas bewegen zu können. Bestimmt eine lobenswerte Sache, wir versuchen uns momentan jedoch wirklich ausschließlich auf die Musik zu konzentrieren. Wobei ich glaube, dass dieser Weg, was unseren momentanen Status betrifft, auch wirklich der sinnvollere ist, um die Menschen da draußen wirkungsvoll erreichen zu können. 

Ihr geltet grundsätzlich seit jeher als ambitionierte Band mit äußerst zielstrebigen Plänen: blieb in den letzten Jahren denn, neben den zahlreichen Proben, genügend Zeit um euch auch mit anderen Dingen wie Schule oder Sonstigem ausreichend zu beschäftigen? 

Kristian: Die Schule haben wir natürlich alle abgeschlossen. Wobei wir in unserer Freizeit eigentlich nie was anderes als Musik gemacht haben, da wir die Band bereits gegründet haben, als wir 12 waren. 

Wenn man die mediale Aufbereitung in den letzten Wochen etwas genauer verfolgt hat was euch betrifft, weiß man, dass ihr darin großteils als junge, großmäulig - arrogante Band dargestellt wurdet - wie geht ihr damit um? Ist euch dieses Image wichtig? 

Viktor: Ich persönlich mag es ja sehr, wenn Rock ’n’ Roll-Bands als arrogant und großmäulig gelten, es macht diese weitaus interessanter. Wenn eine Band sagt, sie sei die beste der Welt, profitiert die Musik unumstritten eher davon, als wenn diese verlautbaren würde, „nun ja, wir sind bestimmt nicht so gut wie blablabla...“ – egal ob dies zutrifft oder nicht – du darfst den Glauben an dich niemals verlieren. 

Zum Abschluss noch ein kurzes Qual – oder Wahl – Prozedere: 

Viktor + Kristian: Wir sind bereit! 

Norwegen oder Finnland? 

Kristian: Norwegen. Weil Norwegen näher an Schweden liegt. 

Northern Soul oder Southern Rock? 

Viktor: Definitiv Northern Soul. Weil wir aus dem Norden kommen. Und.. Ich meine, wir mögen Rockmusik, jedoch spielt Soul von jeher eine gewichtige Rolle, was Musik betrifft. Ohne Soul kann auch Rockmusik nicht bestehen. 

Volvo oder Saab? 

(Beide lachen).Volvo. Mein Onkel besitzt einen. 

Noel oder Liam Gallagher? 

Kristian: Schwere Entscheidung.. ich sage Noel! Liam hat in den letzten Monaten wirklich viel Großartiges beigetragen, was das Songwriting betrifft, ich mag seine Songs, doch Noel war von Anfang an die tragende Säule der Band. Oasis wären vermutlich nichts ohne Liam, doch Noel trug meines Erachtens doch ein wenig mehr bei zum heutigen Status der Band. 

The International Noise Conspiracy oder Millencollin? 

Viktor: Millencollin! Ohne dass mir nun spontan ein triftiger Grund dafür einfallen würde... 

Mick Jagger oder Keith Richards? 

Viktor: Mick Jagger. Weil ich wie er aussehe (lacht). 

Astrid Lindgren oder Henning Mankell? 

Kristian: Henning Mankell! Großartiger Schriftsteller. Ich bin merkwürdigerweise eher mit einigen seiner Werke aufgewachsen (Krimis wohlgemerkt!) als mit typischen Kinderbüchern wie denen von Astrid Lindgren.. 

The Yeah Yeah Yeahs or Blondie? 

Viktor: Dann doch eher Blondie - auch wenn ich beides nicht zu meinem engsten Favouritenkreis zählen würde... (lacht). 

Machts gut, vielen Dank für das Interview! 

Viktor + Kristian: Dankeschön. 

00:35 Uhr. Ein fulminant-ambitionierter Auftritt der fünf jungen Schweden neigt sich dem Ende zu, das unglücklicherweise nicht sehr zahlreich erschienene Grazer Publikum macht sich mit weitaus zufriedenen Gesichtern auf den Heimweg und wird diesen Abend zweifelsohne noch einige Zeit in Erinnerung behalten. 

Copyright: britishrock.cc
Von Claudia Maitz & Petra Köstinger. Fotos: Martin Pannier


23.05.2005, 12:25 von Claudia Maitz


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