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Her mit den kleinen Engländern! Rock am Ring 2006.
10.06.2006
Rock am Ring 2006: Das deutsche Rock-Festival gab einen feinen Vorgeschmack auf den österreichischen Konzertsommer. Und: Die Briten kommen wieder.

Die Szene war so ungustiös wie genial. Vergangener Samstag, zweiter Tag des "Rock am Ring"-Festivals in Deutschland: Während auf der Hauptbühne die US-Metal-Combo Metallica für schmerzende Headbanger-Genicke sorgt, leistet sich auf der Nebenbühne die (ohnehin nicht als zimperlich bekannte) Bloodhound Gang einen vermeintlich "zufälligen" Ausrutscher, der selbst hartgesottenen Festival-Besuchern große Augen ins Gesicht zaubert. Gerade als Jimmy Pop, Leadsänger der halblustigen Ami-Funpunk-Truppe, ein wahnwitzig schlechtes "Enjoy the Silence"-Cover von Depeche Mode anstimmt, taucht hinter ihm Bassist Evil Jared Hasselhoff auf und entlädt genüsslich seine biergefüllte Blase über Kopf und Rücken des darob recht unbeeindruckten Bandkollegen. Die Menge staunt, des Bassisten Zumpferl verschwindet flugs wieder in der Hose, Kür erledigt, Ziel erreicht.

Spannend ist das deshalb, weil die ästhetisch unbedarften Herren nächste Woche auch Österreich heimsuchen werden – und zwar im Zuge des Nova Rock-Festivals, das vom 15. bis 17. Juni im burgenländischen Nickelsdorf statt findet.

"Rock am Ring": Vorgeschmack auf Österreich-Festivals

Neben dumpfen Rockstar-Attitüden darf man aber auch auf qualitativ hochwertigen Rock'n'Roll hoffen. Wer am Wochenende die MTV-Live-Übertragung des deutschen Doppel-Festivals ("Rock im Park" und "Rock am Ring" passieren gleichzeitig im bayrischen Nürnberg und am Nürburgring in der Eifel, die Bands alternieren an den drei Tagen) im TV mitverfolgt hat, bekam damit auch einen guten Ausblick auf den heimischen Konzert-Sommer, allen voran auf die beiden größten Ö-Festivals - Nova Rock und Frequency.
Fast alle großen Bands, die am Wochenende in Deutschland spielten, werden in den kommenden drei Monaten auch hierzulande zu sehen sein. Und Vorfreude dürfen Fans angesichts der gebotenen Leistung bei Rock im Park/am Ring durchaus haben – wenn man von sich gegenseitig anpinkelnden Kasperln einmal absieht.

The Return of Britpop: Die wichtigsten UK-Bands heuer

Vor allem anglophile Anhänger britischen Gitarrenpops werden heuer fast inflationär bedient: Am Interessantesten aus dem schier unüberschaubaren Pool an frischer Britpop-Musik ist wohl das Trio bestehend aus Placebo (Nova Rock), Franz Ferdinand und Kaiser Chiefs (Frequency, 17/18. August). Was man von diesen am Wochenende als Vorgeschmack aufs Selber-Erleben serviert bekam, war eine hervorragende Performance, gemixt mit nahezu unerträglich schöner Live-Stimmung.

"Nova Rock"-Vorschau: Placebo

Allen voran stach Placebo heraus: Die Band rund um die androgyne Metrosexuellen-Ikone Brian Molko hatte zwar den Vorteil, genau zu dem Zeitpunkt aufzutreten, als über der Eifel-Region die Sonne träge im frühsommerlichen Abend-Dunst versank und Molko’s engelsgleiche Stimme Wort für Wort von 100.000 – angesichts der romantischen Szenerie völlig verzückten – Kehlen begleitet wurde. Dennoch war es verblüffend, wie gut Placebo das etwas schwierige neue Album "Meds" für die Bühne übersetzt hat. Sollte Brian Molko nächsten Freitag im Burgenland ähnliches vollbringen – ein Top-3-Platz unter den besten Sommer-Gigs Österreichs ist ihm sicher.

"Frequency"-Vorschau: Franz Ferdinand und Kaiser Chiefs

Beeindruckend, aber von technischen Problemen geplagt: Die Kaiser Chiefs und Franz Ferdinand, die beide aufgrund ihrer verfitzelten Post-Punk-Gitarrensoundkulisse für Open-Air-Konzerte eher ungeeignet sind. Was im Falle Franz Ferdinand’s im vergangenen Winter in der Wiener Stadthalle noch perfekt funktionierte, hat sich bei Rock am Ring leider in den Weiten des Nürburgring’schen Areals verloren. Ähnliches gilt für die Kaiser Chiefs: Ein kompliziert produziertes Album ist auf die große Live-Bühne nur schwer umzusetzen, die kleinen Details gehen in einer riesigen Sound-Wand unter. Wer die beiden beim Frequency im August wirklich genießen will, sollte den Standplatz sorgfältig wählen – am besten mittig und weiter hinten hinstellen und zugunsten des Hör-Erlebnisses auf das Rennen um einen Platz in der ersten Reihe verzichten.

ROCK AM RING , 02. Juni - 04. Juni 2006 (Deutschland / Nürburgring)  

10.06.2006, 15:16 von Christoph Löger


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