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SOULMATES NEVER DIE. Eine Liebeserklärung an eine kleine, große Stimme.
15.12.2006
Ich mach es kurz. Da wir von Britishrock.cc ja nicht der unbedingten journalistischen Objektivität verpflichtet sind, und gerade deswegen manchmal doch umgekehrt den sprichwörtlichen Baum vor lauter Wäldern rundherum sehen können und damit ein Konzert auch nicht so begreifen wie die Kollegen aus dem Tagesgeschäft (die ein Konzert allzuoft abhandeln wie eine Kritik an einer Betriebsanleitung einer neuen Waschmaschine), lass ich die Gefühle krachen.

Placebo waren wieder mal in Wien. Und perfekt wie immer. Vielleicht sogar noch besser. Gutes kann man ja nicht schlecht machen. Und zwar deswegen, weil sie das getan haben im Zuge der 2006/07er-Tour, was die Fans eben nicht wollten: Die Hits zu spielen. Es war ein recht sophisticated set. Fast nix von den Nummern, die man von den fast schon inflationären Ö-Auftritten der letzten Jahre gewohnt war. Es fehlten wirklich alle Hits. Jene, mit denen die falschen Tabletten berühmt wurden. „Special K“ und „Bitter End“ waren schon die ärgsten Smasher in der Stadthalle.

Du denkst grad: Wieder mal ein Gig-Review, wo einer hingehen musste, um Geld zu verdienen. Nope. Ich hab die Nacht mein Herz an eine Band verloren. Wieder mal. Immer wieder denk ich, dass ich sie eh noch so oft sehen werde. Und immer wieder geh ich hin. Und immer wieder steigern sie sich. Aber diesmal – 2006 – halt ohne Hits. Enttäuschung? Im Gegenteil.

Und mein Gott, es war gut so. Begonnen wurde mit einer Fünfer-Phalanx aus dem aktuellen Album „Meds“. Viele langsame Nummern, schön in die Länge gezerrt, getragen von einer Stimme, die dem Kehlkopf eines Laufmeters namens Brian Molko entspringt.

Diese Stimme muss übrigens einmal analysiert werden:

1) Sie ist nicht irdisch.
2) Sie ist auch nicht aus diesem Universum.
3) Sie kommt von irgendwo, einer Welt, die die NASA irgendwann mal entdecken wird, wenn Du, der oder die Du das liest, schon lange tot bist.
4) Man kann gut bei Stimme sein und trotzdem bei jedem zweiten Lied eine Tschick rauchen und (laut Mikro) tief inhalieren.
5) Sei klein, gut und mach was draus.

Sodala. Ahja, die Vorband hab ich vergessen: Howling Bells. Sensationeller Fehlgriff – bemühter Tori Amos-Verschnitt (Frontmädl) mit ein bissl „The Gathering“ und „Evenescence“-Anleihen, gemischt mit einer abenteuerlich selbstbewussten Überheblichkeit innerhalb der Band, wo dann doch niemand von den Menschleins dort oben zusammen gespielt hat. Haben alle ihr Programm gespielt. Die so bitter nötige Liebe, die man braucht, wenn man die Chance hat, als Newcomer vor Placebo zu spielen, war nicht da. Egal, abhaken. Das Publikum hat halt derweil fleißig SMS getippt, die Blase entleert und Bier geholt.

Umbauphase, Lichter an. Howling Bells haben alles getan, damit man sich noch mehr freut.

Punkt (!) 22 Uhr:

PLACEBO! Man verzeihe mir.....aber BISTDUDEPPERT – genial weggefahren mit dem „Meds“-Feuerwerk. Subtiler als früher, aber trotzdem sind jene 15-jährigen indie-mädls mit den schwarzen haaren und den dunklen augen und den hochgeschnallten wonderbra-knospen sofort in zuckungen verfallen. Immer ein guter indikator. Vom ersten Lied an totale Präsenz von Brian Molko. Keine Kennenlernphase. Brian kam raus und war da und hatte 10.000 Leute im Griff.

Gleich vorweg: Nicht nur die beste Nummer des Jahres 2006, es war auch live das Highlight: „Space Monkey“. Und nett dabei: Brian Molko war so gut drauf, dass er (bei dem Lied verwendet er zwei Mikros) ein Mikrofon kurzerhand am Kabel schwingend seiner Gitarren-Technikerin direkt ins Gesicht geschossen hat, worauf das arme Mädl rücklings von der Side-Stage über die Stufen kippte. War zwar nur von der Presse-Tribüne zu sehen, aber super.

Nett auch der (eh klar, einstudierte) Part, wo Stefan Olsdal mit den Securities durchs Publikum bis hinten in die Halle geht. Und dann (wirklich verblüffend!) auf einmal wieder auf der Bühne steht, während man ihn mit den Augen noch immer hinten in der Halle sucht.

Placebo sind eine Urgewalt. Live wie auch Studio. Dass diese Band nie groß werden wollte, tut Brian Molko wohl genauso weh wie mir als Fan der ersten Stunde.

Man verzeihe mir diesen Zwischen-Exkurs (hab grad die Paris-DVD im Kopfhörer): Brian Molko’s Stimme ist nicht nur nicht irdisch, sondern engelsgleich. Ich glaub ja nicht an Engel, aber wenn’s welche gibt – dann singen die wohl so. Exkurs-Ende.

Was sonst noch passiert ist: Brian hat (ich hab Stricherl-Liste gemacht)
- 12 mal die Gitarre gewechselt (wovon 9 verschieden waren)
- bei jedem lied (!) eine neue tschick im mund gehabt (stimme?!?wtf!?!)
- und nicht ein einziges mal flüssigkeit zu sich genommen
- sich nicht ein einziges mal versungen (jeder ton klar wie kaltes wasser)

PLACEBO, 13.12.2006 (Wien, Stadthalle)  

15.12.2006, 15:24 von Christoph Löger


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