Happy Feet. Joss Stone live in Wien - britishrock.cc
 
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Happy Feet. Joss Stone live in Wien
20.07.2007
Die unangenehmste Aufgabe dieses Abends hatte der Roadie, welcher am Ende der Show als Erster die Bühne betrat, um mit dem Abbau des Drumsets zu beginnen. Das ursprünglich eher als zurückhaltend eingeschätzte Publikum tobte, wollte sich mit dem Gesehenen nicht zufrieden geben, doch man hatte sich damit abzufinden: das wars. Und es war eine phänomenale Show, soviel stand fest.

Mit 75 Minuten vielleicht etwas kurz geraten wurde man nichtsdestotrotz hervorragend unterhalten – weil sich wie erwartet alles um Joss Stones großes Gottesgeschenk drehte: ihre Stimme. So ganz nebenbei fungierte auch die – wie erwartet ausgezeichnete – achtköpfige Band samt zwei Backgroundsängerinnen. In einem Satz: Joss Stones Performance sollte man nicht als Maßstab für die Qualität eines Konzerts hernehmen; denn dann würden die meisten Acts diverser Genres ganz alt aussehen.

Im Frühjahr, kurz nach dem Release ihres aktuellen Albums „Introducing Joss Stone“ gastierte Joss Stone – mit bürgerlichem Namen Joscelyn Stoker – im Londoner Klub Koko. Es war bereits nach 23 Uhr, als sich die schöne 20jährige aus dem ebenso schönen Landstrich Devon auf die Bühne begab. Keine Vorgruppe hatte es gegeben, stattdessen bekam man ein Kurzset geliefert – permanente Buhrufe und Pfiffe waren die Konsequenz. In Wien war es immerhin schon 21:45 Uhr, als es endlich losging an diesem heißen Sommerabend. Die Temperaturen lagen nach wie vor deutlich jenseits der 30 Grad-Marke, von Luftaustausch kontte in der gut besuchten Open Air-Arena keine Rede sein.

Leicht hatte sie es in letzter Zeit ja nicht. Dass ihr aufgrund einiger Unterhaltungen mit Will gleich eine Affäre mit dem Prinzen nachgesagt wurde, juckte sie wenig. Die zum Teil fast boshaften Verrisse ihres neuen Werks sowie Kritik des Wandels der optischen Erscheinung dürften sie im innersten doch getroffen haben. Stone gibt sich aber für ihr noch so junges Alter stets gelassen und ausgeglichen. Wenn gestandene Journalisten sie jedoch angreifen, da sie sich angeblich einen amerikanischen Akzent angelegt und mit diesem einen konfus wirkenden Auftritt bei den Brit Awards dieses Jahres hingelegt hätte, ist jede Trotzreaktion nachvollziehbar.

Was man schnell vergisst: Die Dame war 16 Jahre jung, als sie mit ihrem Debütalbum „The Soul Sessions“ für Begeisterungsstürme sorgte. Von den Coverversionen der Platte stach vor allem „Fell in love with a boy“ heraus, auf welches man bei der aktuellen Tour vergeblich wartet (Trotzreaktion?). Stone lässt keine Möglichkeit aus, darauf zu pochen, dass sie sich mittlerweile ihren beiden ersten Alben überhaupt nicht mehr verbunden fühlt (Trotzreaktion?). Live kommt sie natürlich nicht ganz ohne Stücke vom Debüt sowie von „Mind, body & soul“ aus. Das Publikum singt begeistert mit – das wird sie wohl entschädigen für die Qualen, die sie vielleicht beim Singen des einen oder anderen Liedes erleidet, welches sie angeblich so gar nicht repräsentiert.

Immer wieder durchbricht ein Kichern ihre Ansagen vor Songs. Joss Stone scheint nach wie vor nicht ganz geheuer zu sein, wo sie hier hineingeraten ist. Läuft von jetzt an alles reibungslos weiter, hat sie wirklich alle Chancen, die Nachfolge von Whitney Houston oder die ihres großen Idols Aretha Franklin anzutreten – und das als unbekümmertes weißes Mädchen aus dem Südwesten Englands. All zu hastig verließ die stets barfuß auftretende Sängerin die Bühne und ließ das Publikum mit einem herrlichen Outro ihrer tollen Combo stehen. Davor gab es aber neben der Show der Extraklasse auch noch Geschenke anderer Art für die Fans. Man konnte sich glücklich schätzen, wenn man eine der etwa zehn Blumen ergattern konnte, die Joss Stone unter den Fans in den ersten Reihen verteilte. Noch besser wahrscheinlich, man erhascht gleich zwei Stück und schenkt ein Exemplar davon weiter…

JOSS STONE, 17. Juli 2007 (Arena Open Air, Wien)
Support: Mary Broadcast Band, Something Sally 

20.07.2007, 11:51 von T. Hochwarter


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