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Interview EMPIRE ESCAPE in den Wagenhallen Stuttgart
28.10.2013
Ich befinde mich im Backstage der Wagenhallen - gemeinsam mit der Berliner Band „Empire Escape“. Zurzeit touren sie als Support der Schweden „Shout Out Louds“ durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Eine Art Release Tour, denn erst vor wenigen Wochen erschien das Debütalbum „Colours“.

britishrock.cc traf die Durchstarter kurz nach ihrem Auftritt zum Interview.
 
Empire Escape, das sind Hendrik Schäfer (vocals, guitar), Michael Jobs (drums), Ihno Homma (bass) und Julius Rothlaender (guitar)
 
britishrock.cc: Wie geht es euch so kurz nach einem Auftritt?
 
Julius:  Super!
Michael:  Durchgeschwitzt!
Hendrik: Super!
 
britishrock.cc: Und wie lief euer Auftritt?          
 
Michael: Gut!
Julius: Hat Spaß gemacht.
 
britishrock.cc: Wie war die Tour bisher? Sind die Schweden nett zu euch?
 
Hendrik: Ja, total.
Julius: Sie sind liebe Leute, fröhlich und nett. Wir haben eine schöne Zeit zusammen.
Michael: Schlechte Tischfußballspieler…(lacht) zum Glück!
 
britishrock.cc: Und könnt ihr uns schon irgendeine witzige Story von der Tour erzählen?
 
Hendrik: Die Schweden haben eigentlich beim Tischfußball ihre Plätze im Bus verloren und eigentlich müssten wir da jetzt rein!
Aber das haben sie nicht wahrgenommen…
 
britishrock.cc: Zuvor hattet ihr ja ein andere Band, „Ikaria“. Wie habt ihr euch damals gefunden? Wart ihr gemeinsam in der Schule?
 
Michael: Nee, wir sind die Generation Internet.
Hendrik: Wir hatten nicht zusammen diese Band „Ikaria“, sondern das waren Micha und ich. Und dann kam Julius hinzu und später Ihno und tatsächlich haben wir Julius übers Netz kennengelernt.
Michael:  Wir haben uns auch übers Internet kennengelernt.
Hendrik:  Genau.
Michael:  Muss man auch mal ganz klar sagen.
Hendrik:  Und Ihno über „Julius war Klamotten kaufen“    
Julius:  Da habe ich ihn kennengelernt, weil er Verkäufer war.
 
britishrock.cc: Ihr habt ja erst vor kurzem euer Debütalbum „Colours“ veröffentlicht, welches ihr zusammen mit schwedischen Produzenten aufgenommen habt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
 
Michael: Wir haben mit unserer vorherigen Band schon einmal bei Mathias Oldén in Schweden aufgenommen. Nachdem wir die Entscheidung getroffen hatten, eine andere Band zu gründen und quasi auch ein bisschen andere Musik zu machen, haben wir beschlossen, dass Mathias auch ein riesengroßer Einfluss war.
Die Art und Weise wie er aufnimmt ist glaube ich relativ unmodern und zwar zwingt er die Bands dazu, komplett live aufzunehmen. Nur im Nachhinein, da macht er noch so ein paar Kleinigkeiten. Was uns damals gar nicht so entgegen kam. Aber Mathias hat uns so ein bisschen in diese Richtung gedrückt und das war dann eine Art Initialzündung dafür, auf diese Art und Weise Musik zu machen, im Nachhinein und gerade auch live.
Wir haben früher mit Samples gearbeitet und irgendwann haben wir gemerkt, dass das nicht mehr so unser Ding ist, dass es nicht so direkt ist. Daraufhin ist dann eben die Entscheidung gefallen, eine neue Band zu machen und die eben auch generell auf diesen live Moment abzustellen. Also haben wir die Musik im Proberaum quasi so gemacht, wie wir auch live spielen. Nicht, dass wir da gejammt haben aber wir haben es nicht wie wir es früher gemacht haben, wie man so schön sagt „vertikal“ aufgebaut, so dass man sich immer die Spuren nacheinander irgendwie ausdenkt, sondern alle zusammen beim spielen. Insofern war die Entscheidung, wieder Mathias für die Produktion zu bemühen relativ naheliegend.
Hendrik: Das hätte ich nicht besser sagen können.
 
britishrock.cc: Wie würdet ihr eure Musik jemandem beschreiben, der euch noch nie gehört hat?
 
Hendrik: Da würde ich sagen, dass ist ja doch auch immer ein bisschen eine persönliche Sicht. So auch innerhalb einer Band. Ich würde sagen, sie ist stark geprägt von den Texten und von dem, was man im normalen Leben erlebt. Also das, was jeder Mensch erlebt. Wir haben dieses große Glück, dass wir diese Band so gefunden haben. Wir lieben wahrscheinlich alle irgendwie so ein bisschen ähnlich andere Bands und das, wie die das so machen und unsere Musik. Wenn ich es auf einen Punkt zurück bringen müsste, dann würde ich sagen: es ist emotionsgeladene aber doch immer mit einem Lächeln behaftete Musik, auch wenn sie vielleicht traurig ist.
Also es ist auf jeden Fall nicht dazu gedacht, dass es an einem vorbei geht. Man muss sich schon damit beschäftigen. Das ist glaube ich das, was wir so am Ende sehen.
 
britishrock.cc: Ihr werdet oft verglichen mit den White Lies, The National oder den Editors. Was haltet ihr von solchen Vergleichen?
 
Julius: Ich würde sagen, so ein Vergleich ist erst mal kein so schlimmes Ohmen. Sondern, man klingt wie eine Band, die in einem Stadion spielt und das ist schon mal ein schönes Pfund. Von daher …ist es einfach eine Anerkennung für uns. Darüber freuen wir uns eigentlich sehr.
                                                                                                           
britishrock.cc: Würdet ihr sagen es gibt einen „roten Faden“ der sich durch euer Album zieht?
 
Hendrik: Also es ist auf jeden Fall kein Konzept-Album. Ich glaub der „rote Faden“ ist mehr so ein Weg für uns. Es ist ein Aufbruch für uns. Wir haben uns glaube ich das erste Mal getraut, einfach das zu machen, was vielleicht ein bisschen simpler ist als die Sachen, die wir zuvor gemacht haben. Und auch die Texte sind vielleicht ein bisschen direkter und klar haben die noch Raum, dass alle Menschen sagen können, ich sehe darin das oder das. Aber ich glaube das Album ist für uns wahrscheinlich erst mal nur ganz stark für uns.
Weil es für uns ganz wichtig ist und gewesen ist. Beim spielen und wenn wir auf der Bühne stehen, dann ist unser Opener ein Song, nur für uns. Da geht es um uns als vier Menschen, die sich dafür entscheiden, Musik zu machen und da alles rein zu packen was geht und das ist unser Debütalbum. Das ist wahrscheinlich der rote Faden.
Julius: Unser Album ist einfach extrem ehrlich. Also kein verstecken, das sind einfach ehrlich und direkt wir…in dem Moment.
 
britishrock.cc: Habt ihr denn irgendwelche musikalischen Vorbilder?
 
Hendrik: Das ist sehr divers oder?
Julius: Roxette (alle lachen), Dr. Alban, Haddaway.
Hendrik:  Ja die Vorbilder, das ist klar - die haben wir. Aber die haben in dem Sinne nicht unbedingt Einfluss auf die Musik. Ein schönes Vorbild, sind Bands, die es geschafft haben mich zu berühren. Das sind Vorbilder und wenn wir das schaffen - ist alles cool.
Michael: Lustigerweise sind die Bands, mit denen wir in Rezensionen oft verglichen werden, eher die Bands, auf die wir uns innerhalb der Band selten so richtig einigen können. Also gerade Editors und White Lies sind so Sachen, die doch stark bipolar bei uns in der Band angesehen werden (alle lachen) aber meine Meinung zählt halt doch mehr. (lacht)
 
britishrock.cc: War für euch von Anfang an klar, dass ihr auf Englisch singen wollt?
 
Julius: Ich glaube das hängt auch ähnlich zusammen mit diesem, mit welcher Musik wir halt damals aufgewachsen sind. Wie wir die Musik damals kennengelernt und lieben gelernt haben. Das war halt oft englischsprachige Musik und ich glaube in der Tradition sehen auch wir uns. Das ist halt unser Dunst, unser musikalischer Horizont. Wo wir uns wohl fühlen, englische Texte und Musik.
 
britishrock.cc: Wie seht ihr die Entwicklung der deutschen Musikszene? Die meisten erfolgreichen Künstler singen auf Deutsch.
 
Michael: Das war aber auch schon mal anders. Es gab halt auch Zeiten, in denen deutschsprachige Musik innerhalb von Deutschland eben doch einen relativ schweren Stand hatte. Es ist halt alles irgendwie phasenweise.
Hendrik: Obwohl ich es schön finde, dass es aktuell so ist. Das deutsche Musik aktuell so honoriert wird.
Michael: Ja, ich habe dagegen auch gar nichts gesagt.
Hendrik:  Ich persönlich finde es zum Beispiel sehr sehr schwer auf Deutsch zu singen. Englisch ist eigentlich nicht facettenreicher aber doch irgendwie facettenreicher. Ich glaube, ja klar wir sind halt damit aufgewachsen mit der englischsprachigen Musik. Und irgendwie ich glaube doch, die großen Aussagen in der Musik wurden eben nicht von deutschsprachigen Bands gemacht…
Michael: (pfeift „Wind of Change“ von den „Scorpions“)
(alle lachen)
Michael: Ach die waren ja auch nicht deutschsprachig.
Hendrik: Ja, die haben auch auf Englisch gesungen. (alle lachen)
Julius: Punkt für Hendrik.                                
Michael: Und „Pur“?
Hendrik: Ja „Pur“, die hatten auch zwei gute Songs. Genug geflachst. Nee also nix gegen Deutsch als Sprache und es gibt wirklich...also ich liebe manche deutschsprachige Bands sehr, weil sie eben auf Deutsch singen. Aber für uns ist das glaube ich nix, ich glaube wir sind nicht so gut in Deutsch.
Michael:  Außerdem ist das eine ganz klare Entscheidung gegen den Bundesvision Song Contest (alle lachen) wir möchten niemals irgendwie in den Verdacht kommen uns da anbiedern zu wollen. So.
Hendrik: Das hast du gut gesagt.
 
britishrock.cc: Auf YouTube ist mir aufgefallen, dass hauptsächlich englische Kommentare unter euren Videos zu finden sind...sind das schon erste Anzeichen für einen international Durchbruch?
 
Julius: Da kommen jetzt ab und zu solche Mails rein, bei denen du denkst „huuch“ wo haben die unsere Musik gefunden. Vor kurzem kam aus den USA eine Frage, die wollten unsere Musik anhören für einen Film.  Das war eine Produktionsfirma und wir dachten so „wow“. Durch das Netz sind die Wege schon ziemlich kurz. Das ist dann schon ein ganz tolles Gefühl.
Hendrik: Also wir waren jetzt auch relativ viel auf Tour mit nicht deutschen Bands und dort waren auch immer Menschen, die waren nicht deutsch und deshalb haben wir uns auch so angewöhnt auf Englisch zu kommunizieren. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum vielleicht die Leute denken, wir sind eine englischsprachige Band und wir sind wahrscheinlich nicht aus Deutschland. Aber am Ende ist es halt so… ja also wenn uns jemand auf Deutsch anschreibt, dann antworten wir auch lieb auf Deutsch.
 
britishrock.cc: Wie sehen eure musikalischen Ziele und Träume aus?
 
Julius: Also erst mal weitermachen, weiter Songs schreiben, Alben aufnehmen, auf Tour gehen. Noch mehr und noch öfter…nicht aufhören.
 
britishrock.cc: Und was macht ihr so nebenher? Von der Musik könnt ihr ja wahrscheinlich noch nicht leben?
 
Hendrik: Nee, wir sind „working class heroes”. Wir arbeiten halt. Wir arbeiten so viel wie nötig und machen so viel Band wie nötig. Das ist ganz unterschiedlich Gastro, im Kino, bei Ikea und ich mache so ein bisschen Grafik Kram. Aber alles eher so ein bisschen um das Geld zu verdienen, das man halt braucht und um dies hier zu machen.
 
britishrock.cc: Was ist euer wertvollster Besitz?
 
Hendrik: Meine Familie.
Michael: Die besitzt du aber nicht.
Hendrik: Doch! Die besitze ich; die besitzt mich.
Michael: Oooh wissen die das auch?
Ihno: Bin dabei.
Julius: Würd ich auch so sehen und die Band, die ist auch Familie.
Hendrik: Ja. Wichtige Menschen um es vielleicht blöd zu sagen. Weil Besitz haben wir nicht. Nein also das meine ich wirklich ernst, weil am Ende ist es ja auch völlig egal. Du stirbst sowieso alleine und auf dem Weg dahin, musst du versuchen dein Leben so gut es geht zu gestalten und das ist mein Ziel. Und wenn ich mit den Jungs und mit Katja (spielt keys und läuft gerade im Hintergrund vorbei) auf Tour bin, dann ist das ein großes Glück, was nicht so viele Menschen haben. Überhaupt, nicht so viele Menschen haben Glück. Also…das ist ein Besitz. Das ist ein tatsächlicher Besitz.
Julius: Ja kann ich so festhalten. Micha - du sei ruhig.
Michael: Danke.
 
britishrock.cc: VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW!
 
 
Wer mehr über Empire Escape erfahren möchte, geht auf:
www.empireescape.com

28.10.2013, 13:43 von Stephanie Bauer


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